Straßenstrich

Dass hier Fotos den Ausgangspunkt für eine Weiterverarbeitung liefern, ist im Schaffen Biesenbachs kein Einzelfall: so hatte sie die Möglichkeit, den ausgelagerten Kölner Straßenstrich einen Tag vor “Inbetriebnahme” zu besuchen und fotografisch zu dokumentieren.
Auffällig ist an dieser Serie das betonte Understatement, der Betrachter musss schon wissen, worum es sich handelt. Biesenbach nämlich richtet das Augenmerk mehr auf unscheinbare Details, teilweise auch auf eine scheinbare Ästhetisierung.So zeigen die Fotos diese nichtssagenden, nummerierten Sexcontainer in menschen-leeren Fluren, Waschräume, Waldstücke, aber nichts wirklich Verfängliches. Diese Fotos boten dann den Anlass für eine freiere Umsetzung des Themas in eine Serie von tafelbildartigen Assemblagen.
Registrieren und Involvement, zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Biesenbachs Zugriff, analog zu einem erfolgsversprechenden sozialen Eingreifen, das sich ebenfalls nicht auf bloße Identifikation und Kompensation beschränken darf, werden in Biesenbachs Arbeit die Fakten nüchtern diagnostiziert (denen man gleichwohl nie völlig neutral gegenüber stehen kann). Die künstlerischen Resultate liefern die synthetisierende Aufhebung dieses Antagonismus.
So auch die Reihe “Strukturfiguren” [seit 1999], diese “Tagebuchzeichnungen” sind von Soziogrammen beeinflusst, sie stellen die skripturale Wiedergabe von funktionalen Bezügen in unterschiedlichsten Realitätsbereichen dar.

Die verschiedenen Beziehungsstrukturen zwischen den handelnden Personen in Institutionen oder sozialen Gruppen werden so auf ihre jeweiligen Positionen und Verknüpfungen hin analysiert. Das erlaubt Aussagen über das Wesens von Strukturen und ihre Funktionsfähigkeit.
Im Gegensatz zu pädagogischen Diagrammen nehmen diese Notate bei Biesenbach figürlichen Charakter an: ein hektisches Geflecht von Pfeilzuweisungen wird so zur manischen “Durchstreichung” einer institutionellen Struktur, die so nicht lebensfähig ist.



