Martina Biesenbach

Bildende Kunst

Dreifaltigkeitsbeweis

Köln Ev. Kirchentag 2007

Haifischbecken, oder "ist Gott Amerikaner"
Beitrag zum 31. Ev. Kirchentag in Köln

Lust, Gewalt, Leiden, Angst und vor allem der Tod erweisen sich gleich mehrfach als zentrale Erfahrungen, die (christliche) Religion und Kunst gleichermaßen im Visier haben.
In einem Kreis aus fliegenden Fischen, der mathemathischen Formel des Dreifaltigkeitsbeweises und einem permanent aus dem Lautsprecher klingenden Lachen gegen die Angst zeigt Martina Biesenbach die ganze Verwirrung und Ratlosigkeit des zeitgenössischen Existenzgefühls.

Jürgen Kisters

Krankheitsbilder 1997

Projekt Marathon/Ehrenfelder Kunstverein

Acryl auf Leinwand

Diese Arbeit bezieht sich auf die diagnostische Klassifikation im Bereich der Persönlichkeitsstörungen. Es ist der Versuch, sich mit Fuß und Bewegungsspuren in die jeweilige Problematik einzufühlen, bzw ihr zu folgen. Die Persönlichkeiten sind nach DSM III in 3 Gruppen eingeteilt.

Gruppe A:
Paranoide Persönlichkeit
Schizoide Persönlichkeit
Schizotypische Persönlichkeit

Gruppe B:
Antisoziale Persönlichkeit
Borderline Persönlichkeit
Narzistische Persönlichkeit
Histrionische Persönlichkeit

Gruppe C
Selbstunsichere Persönlichkeit
Dependente Persönlichkeit
Zwanghafte Persönlichkeit
Passiv aggressive Persönlichkeit

Gruppe A zeichnet sich durch exzentrisches (sonderbares Verhalten aus,
Gruppe B durch dramatisches und Gruppe C zeigt u.a. ängstliches Verhalten)

Straßenstrich

 

Dass hier Fotos den Ausgangspunkt für eine Weiterverarbeitung liefern, ist im Schaffen Biesenbachs kein Einzelfall: so hatte sie die Möglichkeit, den ausgelagerten Kölner Straßenstrich einen Tag vor “Inbetriebnahme” zu besuchen und fotografisch zu dokumentieren.

Auffällig ist an dieser Serie das betonte Understatement, der Betrachter musss schon wissen, worum es sich handelt. Biesenbach nämlich richtet das Augenmerk mehr auf unscheinbare Details, teilweise auch auf eine scheinbare Ästhetisierung.So zeigen die Fotos diese nichtssagenden, nummerierten Sexcontainer in menschen-leeren Fluren, Waschräume, Waldstücke, aber nichts wirklich Verfängliches. Diese Fotos boten dann den Anlass für eine freiere Umsetzung des Themas in eine Serie von tafelbildartigen Assemblagen.

Registrieren und Involvement, zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Biesenbachs Zugriff, analog zu einem erfolgsversprechenden sozialen Eingreifen, das sich ebenfalls nicht auf bloße Identifikation und Kompensation beschränken darf, werden in Biesenbachs Arbeit die Fakten nüchtern diagnostiziert (denen man gleichwohl nie völlig neutral gegenüber stehen kann). Die künstlerischen Resultate liefern die synthetisierende Aufhebung dieses Antagonismus.

So auch die Reihe “Strukturfiguren” [seit 1999], diese “Tagebuchzeichnungen” sind von Soziogrammen beeinflusst, sie stellen die skripturale Wiedergabe von funktionalen Bezügen in unterschiedlichsten Realitätsbereichen dar.

Die verschiedenen Beziehungsstrukturen zwischen den handelnden Personen in Institutionen oder sozialen Gruppen werden so auf ihre jeweiligen Positionen und Verknüpfungen hin analysiert. Das erlaubt Aussagen über das Wesens von Strukturen und ihre Funktionsfähigkeit.

Im Gegensatz zu pädagogischen Diagrammen nehmen diese Notate bei Biesenbach figürlichen Charakter an: ein hektisches Geflecht von Pfeilzuweisungen wird so zur manischen “Durchstreichung” einer institutionellen Struktur, die so nicht lebensfähig ist.

Straßenstrich

Zentrales Motiv ist ein roter (eigentlich nutzloser) Alarmknopf, mit dem die Sexkabinen versehen sind, der jeweils mittig ins Bild gesetzt und vielfach variiert wird. So wird er zum Apfel, zur Gitterstruktur, zum rot verspritzten Schwamm (steht für einen Luftröhrenschnitt, der bei der Operation einer älteren Prostituierten vorgenommen werden musste).

Andere Arbeiten lösen sich von diesem Leitmotiv, weisen mit einer Menge von Liebesperlen in aufgelöster Form oder mit einem Blumenkranz auf die naiv-idealistischen Romantik-Vorstellungen von Familie und heiler Welt hin, mittels derer die Frauen ihre tatsächliche soziale Realität zu transzendieren suchen.

ENNO STAHL

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

 
 

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

Hier posiert die Künstlerin mit vor Entsetzen geweiteten Glupschaugen, einer Blindbrille, wie man sie auf der Sonnenbank verwendet, um (in ironischer Färbung) zu demonstrieren, wie jemand im Zustand größter Verzweiflung die Würde zu behalten versucht.
 
AUSDRUCK
ANMUT
LEIDENSCHAFT

"Aufgenähte Augen verstellen Hoffmann den Blick, dieser kehrt sich nach innen, der nüchterne Blick verschleiert sich. Die Nachtseite der Wirklichkeit, die ironisch-groteske Überzeichnung des alltäglichen Wahnsinns, eine aus dem Lot verrückte Welt treten hervor."
 
Aus: Jaques Offenbach/Hoffmanns Erzählungen
 

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN

 
 

INCOGNITO

Viele Stirne ergeben ein Gestirn (Hartmut Zänder)
 

Die Polaroidserie Inkognito (1998) ist in einen Zeitraum von 4 Wochen entstanden.

Die Polaroidserie Inkognito von Martina Biesenbach zeigt den Blick auf sich selbst, wie einen Blick in den Spiegel. Doch der Spiegel zeigt nie das reale Selbst, immer nur das seitenverkehrte. Martina Biesenbach spielt mit Verzerrungen auf einer Oberfläche: durch den Spiegel und durch die Fotografie, beide können immer nur vergangene Momente festhalten. Im Westlichen Kulturraum ist der Spiegel der Repräsentant des Todes, denn jeder Blick in ihn führt das eigene Altern vor Augen. Die Fotografie ist immer der festgehaltene, aber bereits vergangene Augenblick. Und Martina Biesenbach verzerrt ihr eigenes Gesicht. Einem "photoshooting" gleich zeigt sie das Spiel der Entstellungen und Verstellungen, die vielen Facetten und Befindlichkeiten, aber niemals ihr wahres Gesicht. Kann eine Fotografie das wirklich zeigen? Martina Biesenbach bleibt wie der Titel ihrer Arbeit lautet "Inkognito".

Der Blick in den Spiegel "Die zehn Künstler, die in der Galerie 68 elf ihr "Selbstbild" vorstellen, demonstrieren die ganze Breite, wie man sich sehen und mit sich umgehen kann." Der Künstlerische Prozess enthüllt in diesen Arbeitens(eine) Nähe zu seelischen Vorgängen. Diese Wechselseitige Durchdringung zeigt das Selbstportrait als am schärfsten zugespitzte Konfrontation des Menschen mit sich selbst, so wie der tägliche Blick in den Spiegel, bei dem man(wie Cocteau einst formulierte) unablässig dem eigenen Tod bei der Arbeit zusieht."
Jürgen Kisters (Kölner Stadtanzeiger Jan. 2000)

 

INCOGNITO

Viele Stirne ergeben ein Gestirn (Hartmut Zänder)
 

ÄPÄY 

2004

Martina Biesenbach beschäftigt sich in ihrer Installation mit dem eher zweifelhaften Begriff des Konsumglücks. Ganz konkret steht dabei für sie die neue Erfahrung des virtuellen Einkaufens im Mittelpunkt, genauer: das Internet-Auktionshaus E-bay. Dieses, so die Künstlerin, binde verschiedene Aspekte der menschlichen Bedürfnispalette zusammen, z.B. die Sehnsucht der Einsamen nach kommunikativer Einbindung oder den Wunsch der Spieler, ihrem Spieltrieb freien Lauf zu lassen. Die Elemente ihrer Installation, zu einer Art Scheiterhaufern geschichtete Holzstücke, sind in den Ebay-Farben bemalt und beschriftet mit typischen Bewertungen wie "Note 1", oder "Weiter so". Denn vor allem sieht die Künstlerin in dem Ebay-spezifischen Bewertungssystem eine Art postmoderne Weiterentwicklung traditioneller Moralregeln: Wohlverhalten wird belohnt, Fehlverhalten bestraft - ganz wie im wirkliche Leben, nur viel konsequenter

Dr. Sabine Schütz

 

 

 

Glück Statt - Vanitas

2009

Meine Arbeit zu dieser Ausstellung bezieht sich aus dem Zusammenspiel eines Menschen und seines "Haustieres". In diesem Fall handelt es sich um eine "Hauskatze". Sie teilte mit mir meinen Lebensraum insgesamt 19 Jahre lang. Lebte und starb an begrenzten räumlichen Ort. Durfte und konnte diesen Ort nicht verlassen. Ich konnte den Raum betreten, gestalten, bewohnen, verlassen, wann ich wollte. Im Gegensatz zur Hauskatze. Die Katze wiederum hat hat diese Menschliche Behausung der Zuflucht und Geborgenheit für sich erobert. Sie hat im Laufe der Zeit diese Räumlichkeiten für sich markiert und somit gekenn"zeichnet". Diese Zeichen bzw. Zeichnungen haben mich nach ihrem Tod nachhaltig beeindruckt und wurden somit zum Gegenstand einer künstlerischen Wahrnehmung und der gestalterischen Auseinandersetzung.

Die hinterlassenen Markierungen auf der Auslegware wurden Impuls für eine Spurensuche. Kombiniert mit den Erinnerungen einer gemeinsam verbrachten Zeit. Es ist eine Zeichensprache auf der Auslegware entstanden, die mir wichtig ist. Deshalb schnitt ich mit einem Teppichmesser alle mir markanten Stellen tierischer Hinterlassenschaften kurzerhand aus dem Teppich heraus. Ich löste sie aus dem Kontext, um sie später als Fragmente einer Wandinstallation zu verwenden. Während des Herausschneidens, wurde eine zweite Schicht des Untergrundes sichtbar, eben durch die Freilegungen neuer Spuren. Ein Holzboden, versehen Farbspuren eines Anstriches vor meiner Zeit in dieser Wohnung. Nun eröffnete sich mir ein völlig unbekannter Untergrund einer anderen Zeit, anderer Menschen und ihren Belangen…..

 
 
Fotos zur Installation: Pietro Pellini

Vanish

Wundersame Brotvermehrung

Kunstprojekt Brüsseler Platz Köln St. Michael 2010
 

craving

2013

Craving umschreibt das kontinuierliche und nahezu unbezwingbare
Verlangen eines Suchtkranken, ungeachtet der Auswirkungen und
Risiken sein Suchtmittel zu konsumieren.



REISEN MIT LEICHTEM GEBÄCK

"HABEN SIE IHR PLÄTZCHEN SCHON GEFUNDEN"


2003 Heimat- Fremde- Heimat/Neue Räume


Stationen:

LUTHERKIRCHE/HAGEN
ZECHE/ HANNOVER
HAUPTBAHNHOF/BOCHUM
SENIORENZENTRUM/ATTENDORN
FUßGÄNGERZONE/ALTENA

Martina Biesenbach spielt in ihrer Arbeit mit Aktionen und Wortklang – Assoziationen.
"Haben Sie Ihr Plätzchen schon gefunden?“ und "DER SPRINGENDE PUNKT" lauten die Themen ihrer Aktionen.
In der Kirche lässt sie die Besucher ihren eigenen, selbst gewählten Platz suchen bzw. auswählen und einnehmen.
Dort liegen in den Kirchenbänken Plätzchen aus, die direkt verzehrt werden dürfen.
Außerdem liegen kleine, einseitig vorgestrichene Täfelchen aus Hartgummi in Gebetbuch– größe aus, die dazu einladen, den eigenen neuen Standort zu markieren, zu dokumentieren – und sei es auch nur durch ein Zeichen, ein Symbol oder ähnliches.

Beim Wechsel des Standortes ist die Dokumentation auf weiteren Tafeln möglich.
Zu einem späteren Zeitpunkt sollen die Täfelchen, die auf der Rückseite mit laufenden Zahlen von 1-100 markiert sind, wieder in die ursprüngliche Ordnung zurückgelegt werden, damit nicht nur die Markierungen der Besucher, sondern auch die vorher von der Künstlerin festgelegte Spirale wieder erkennbar wird, die als Symbol der vorangegangenen Pilgerreise die „abschließende Reise nach innen“ verkörpert.
Thematisch geht es der Künstlerin hierbei immer um die Wahrnehmung, Prozesse der Veränderung, beispielsweise auch durch ein geringfügiges Eingreifen, Reaktionen durch Kommunikation; die Zeit, sich auf Fremdes einzulassen; den spielerischen Umgang mit dem Material zu provozieren, der jeden einzelnen Teil des Ganzen werden lässt.

Darüber hinaus hat sich die Künstlerin ein pfiffiges Wortspiel für den mobilen Teil des Projektes ausgedacht: „Reisen mit leichtem Gepäck“ wird zu „Reisen mit leichtem Gebäck“.

Um diesen Gedanken wenigstens an zwei Stationen inhaltlich zu verdeutlichen, sind hier exemplarisch folgende Aktionen zu benennen :

Im ehemaligen Sonnenstudio= EGO:
(aus Plätzchen gelegtes Wort)- die ständige Beschäftigung mit der eigenen Person bewirkt die Versperrung der Sicht auf Wesentliches und macht ein Reisen mit leichtem Gepäck unmöglich.

2.) Bahnhof: ZEIT: NEHMEN SIE SICH EIN STÜCKCHEN ZEIT (Plätzchenwort),
mit der Aufforderung an die Passanten sich „ein Stückchen Zeit“ (Plätzchen) zu nehmen.

Weitere Stationen:

Im Seniorenzentrum: „ein bißchen weniger LIEB“

und die Installation in der Erstaufnahme für Flüchtlinge in Hemer

ABGESTELLT – "Zimmer ohne Aussicht?“.




Anke Schmich Kunsthistorikerin

Vanish

Vanish

Vanish

Vanish

Martina Biesenbach

Malerei, Foto, Objektkunst
 
 

Martina Biesenbach
Lochner Str. 9
50674 Köln

atelierplanb@aol.com

Tel. 0221/2403635



Am 13.11.1954 geboren in Leverkusen
Lebt und arbeitet seit 1986 in Köln


Ausstellungen: Auswahl
1994 Kunsthaus Rhenania Galerie am Nil/Köln,
2004 Gulliver Überlebensstation, Köln
2005 Electric Ladylight/ Kunsthaus Rhenania
2005 HAUSDERKUNST KÖLN/INNE HALTEN
2005 MELATEN, Köln/ Abschied vom Ausblick
2013 "Kunst Musik und Suppe" Halle Zollstock
ein Kulturprojekt von Ellen Muck

 

Beteiligungen: Auswahl
1997 Ehrenfelder Kunstverein/Projekt Marathon. Hochbunker Köln
2000 Galerie 68elf Köln
2002 Frauenkunstforum/Heimat-Fremde- Heimat Südwestfalen(Gevelsberg)
2003 Gedok Karlsruhe, Orient-Okzident Prinz Max Palais
2003 Frauenmuseum Bonn,
2003 Kommunale Galerie Kunstsamt Wilmersdorf/Berlin,
2003 Projekt Heimat-Fremde-Heimat Neue Räum, Lutherkirche/ Hagen,
Westfälisches Industriemuseum/ Zeche Hannover, Hauptbahnhof/Bochum
2004 Deutzer Brücke/Kunsthaus Rhenania Projekt "Inseln des Glücks"
2004 Rheine: Ems-EKG-Passage, Europa Brücke/Kloster Bentlage
2004 Rumänien/Bukarest,: Nationaltheater
2004 Temeswar: Dtsch. Kulturzentrum, Galerie Interart Triade
2004 Marokko/Rabat, Goethe Institut
2005 Palomar Barcelona trifft Köln Kunsthaus Rhenania
2005 "Orient Okzident" Casablanca, Goethe Institut, Ifrane,
Universität Al Akhawayne, Rabat Foundation Orient Okzident, Tanger,
Wiesbaden, Frauenmuseum Bonn, 2006 Dresden, Leonberg(Bad.-Württ) Rathausfoyer, Saarbrücken, Ramesch
2006 Forum, Kairo, DAAD und Goethe Institut
2006 Fluxusfreunde "Glück und Konsum", Wiesbaden
2006 S.O.C. Trinitatiskirche Köln
2007 "Kommen Sie nachhause" Ein Kunstprojekt von Steff Adams
2007 Bremener Kunstfrühling
2007 Orient Okzident: Klagenfurt/Österreich, Alpe Adria Galerie Malle,
Saarbrücken, Saarbrücker Schloß
2007 "Haifischbecken, oder ist Gott Amerikaner" Ein Kunstprojekt
zum 31. ev. Kirchentag in Köln
2007 "Essen Kommen" in Köln, Kunsthaus Rhenania
2008 "Comic" Kulturbunker Leverkusen
2009 "Glück und Zeit" , Projektfortführung zum Thema "Glück" in Dortmund Depot e.V.
2009 GLÜCK STATT… Stattmuseum Köln
2011 Egotrip, Museum für verwandte Kunst
2011 Kulturbunker Ehrenfeld "dem glück auf der spur"
2011 Ostrale "Slaughterhouse five" Dresden
2011 Kommen Sie Nachhause 12 ein Kunstprojekt von Steff Adams
2012 Museum Zündorfer Wehrturm "viel glück"
2012 Ostrale, "Homeground" Dresden
2012 Galerie Sohle 1 Bergkamen "an der Wand ist der Tisch ein Bild"
2012 Konnektor Forum für Kunst, Hannover "Mitbringsel"
2012 Kunst und Religion in St. Michael, Köln
2013 d-52. raum für zeitgenössische kunst Düsseldorf
2013 Kunsthalle Troisdorf
2013 Halle Zollstock Gemeinschaftsausstellung mit Ellen Muck
2013 Buchprojekt „Glück“ Frank & Timme Verlag,
Thomas Münch/Martina Biesenbach Hg.
2014 Künstler ehren Christian Morgenstern Werder/ an der Havel
2014 "zum glück die letzte" Abschlußausstellung des Projektes
zum Thema St. Theodor, Köln




Beteiligung an International ausgeschriebenen Mail Art Projekten





Der Blick aufs Soziale, auf die ungeschönten Realitäten in den Grenzbereichen der modernen Industriegesellschaften, ist bei den zeitgenössischen bildenden Künstlern in Deutschland selten geworden. Anders als manche Protagonisten der Young British Art blenden sie die harten Fakten weitgehend aus, um einer entkontextualisierten l’art pour l’art zu frönen, die sich weiterhin als gesellschaftlich Sublimes versteht.

Eine Ausnahme stellt die Arbeit von Martina Biesenbach dar; auf der Grundlage
einer langjährigen Beschäftigung im sozialarbeiterischen Bereich spart auch ihr künstlerisches Schaffen die brisanten sozialen Fragen, die in einer sich auflös-
enden Solidargemeinschaft virulent werden, nicht aus. Bei einem solchen Vorge-
hen ist aber Distanz und Neutralität   vonnöten, eine  Neigung   etwa, die gesellschaftlichen Ränder pauschal zu glorifizieren , geht Biesenbach ab.

Ein erstes Resultat einer solchen objektiv verstandenen Gestaltungsmethode war
ihre Serie “Krankheitsbilder” [1997], die sich auf die diagnostische Klassifikation
von Persönlichkeitsstörungen bezieht.
Sie ist ein Versuch, den jeweiligen pathologischen Mustern eine bildnerische Umsetzung zu verleihen. Jedoch geschieht das weniger auf eine freie, künstler-
isch-expressive Art, sondern auf eine gewissermaßen organische. Basierend auf
der Vorstellung, dass verschiedene Krankheitsformen sich speziell in unterschied-
lichen motorischen Störungen niederschlagen, etwa Hyperaktivität auf der einen,
stark verlangsamte Bewegungs- abläufe auf der anderen Seite, entschied sich
Biesenbach für eine per- formativ-body-artistische Realisation. Das heißt, die
Bilder sind entstanden, indem sich Biesenbach mittels Fuß-, also Trampel- bzw. Bewegungsspuren in die jeweilige Symptomtik “einzufühlen versuchte.

Daraus resultierten Arbeiten mit fleckigem Farbgesprenkel und hektischen roten Fußstapfen im Falle des Paranoikers, ein düsteres, schweres und unbewegliches Bild, schwarze Fläche auf dunkelblauem Grund, bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung, die durch eine starke Isolation des Kranken gekennzeichnet ist.

. . . Enno Stahl 2003

Martina Biesenbach

Bildende Kunst